Die „Weltstadt mit Herz“ ist voller Attraktionen. Eine davon liegt etwas versteckt: Der Oberpollinger ist kein Teil der Einkaufsmeile, die sich vom Stachus zum Viktualienmarkt zieht. Stattdessen verweilt das Luxuskaufhaus wenige Gehminuten davon entfernt in der Neuhauserstraße. Ganz, als wolle es ein Zeichen setzen: Hektische Menschenmengen mit Plastiktüten sind nicht sein Ding. Im Oberpollinger wird Shopping zum sinnlichen Erlebnis. Und dies seit mehr als 100 Jahren!

Der Hauch der weiten Welt

Man schrieb das Jahr 1905, als ein hanseatischer Kaufmann eine neuartige Art von Ladengeschäft in München eröffnete. Der Oberpollinger bot seinen Besuchern auf mehreren Stockwerken Waren und mondänen Flair. Nicht zu Unrecht schrieb die damalige Presse vom „Hauch der weiten Welt“, der sich durch die Flure des Gebäudes zog. Neben dem großen Warenangebot trug auch das Design des Architekten Max Littmann dazu bei, den Oberpollinger in die Sehenswürdigkeiten der Stadt einzureihen. Ganz zu schweigen davon, dass den Besuchern Annehmlichkeiten wie ein Teezimmer geboten wurden. Dass das Kaufhaus etwas Besonderes war, zeigte sich auch an den damals revolutionären Bezahlregeln: Feilschen war nicht gestattet und bezahlt wurde in bar. Dem Erfolg hat es nicht geschadet.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass Münchens seine Einkaufsmeile, die Kaufingerstraße, ganz nah am Oberpollinger errichtet hat. Dort thront er über den Menschenmassen, die täglich die Stadt besuchen. Mitten im Geschehen und doch etwas distanziert. Adel verpflichtet eben.

Der Oberpollinger heute

Die Zeiten, in denen Besucher fasziniert von Aufzügen in Kaufhäusern waren, sind vorbei. Entsprechend hat der Oberpollinger sich im Lauf der Zeit regelmäßig gewandelt. Zuletzt 2006, als der Einkaufstempel auf 34.000 m2 erweitert wurde. Heute steht das Haus für eine verlockende Mischung aus internationalem Flair und bayerischer Gemütlichkeit. Dabei wird eindrucksvoll demonstriert, was zu einem Luxuskaufhaus des 21. Jahrhunderts gehört. So gibt es einen Chauffeur- und Limousinenservice. Wer sich an kalten Tagen in das beheizte Kaufhaus begibt, findet eine Gepäck- und Garderobenaufbewahrung vor. Auch ein Ärzteservice ist vorhanden. Das Teezimmer, das einst die Besucher verzückte, existiert nicht mehr. Dafür werden Kunden bei einem Glas Champagner ausführlich beraten. Bei aller Exklusivität hat der Oberpollinger eines nicht eingebüßt: Seine Preispolitik, die es auch Normalsterblichen ermöglicht, dort einkaufen zu gehen.