Große Namen sind in der Londoner New Bond Street allenthalben anzutreffen. In den Schaufenstern von Tiffanys, Gucci, Louis Vuitton oder Burberry spiegeln sich die Gesichter der vorbeiflanierenden Passanten. Was zurückgespiegelt wird, sind zum Teil die unverkennbaren Insignien klassischer britischer Lebensart. Zum Teil spiegeln sich aber auch Signets und Logos, die den Duft der großen weiten Mode- und Luxuswelt nach London getragen haben. In der New Bond Street haben britische Qualitätsmarken wie Barbour, Burberry oder britische Hoflieferanten trotz aller internationalen Edelmarken längst einen festen Platz.

Dieser einzigartige Mix aus typisch Britischem und dem luxuriösen Flair der großen weiten Welt ist es, der die New Bond Street in Mayfair zu einer der exklusivsten und teuersten Shoppingmeilen Londons gemacht hat. Namensgeber der New Bond Street war der Bauunternehmer Sir Thomas Bond. Bond gab dem Stadtteil Mayfair im 17. Jahrhundert sein unverwechselbares architektonisches Gesicht. Dieses bot die Grundlage dafür, dass die Bond Street einerseits zur Luxus-Shoppingmeile schlechthin werden konnte. Auf der anderen Seite sorgten die baulichen Gegebenheiten aber auch für den anhaltend gemütlichen Charakter der bekanntesten Londoner Einkaufsstraße.

London, England – December 10, 2014: People walking past Christmas-decorated shops in Old Bond Street, London. Old Bond Street and New Bond Street house many luxury retailers, some of which can be seen here, such as Tiffany, DKNY, Chanel and David Morris.

Jeder London-Besucher frönt hier dem Shoppingwahn

Vor und in den eleganten Ladengeschäften, in denen luxuriöse Designer-Ware, teure Parfüms, edler Schmuck sowie exklusive Kunst und Antiquitäten zu haben sind, tummeln sich Menschen aus aller Herren Länder. Vorbei an den den leicht zu erkennenden Hoflieferanten, die seit Jahren die königliche Familie beliefern, flanieren die Shoppingfreunde ausschließlich an internationalen Nobelmarken vorbei. Neben Prada und Giorgio Armani sind auch angesagte Größen wie Chopard, Ralph Lauren, Michael Kors, Yves Saint Laurent, Hermès oder Chanel mit einem Flagship-Store vertreten. Wer in der New Bond Street kein eigenes Geschäft eröffnet, hat in London keinen wirklich großen Namen.

Das Traditionshaus von Sothebys, der Königin unter den internationalen Versteigerungshäusern, krönt die New Bond Street ebenfalls – doch halt! Eigentlich existiert gar keine Shoppingstraße dieses Namens. Es gibt genau genommen nur eine halbe Straße, die New Bond Street heißt. Denn die andere Straßenhälfte heißt Old Bond Street – auch das eine der Besonderheiten, mit denen Menschen im United Kingdom rechnen müssen. Schuld an dem kuriosen Namens-Debakel waren Kostenlawinen, die die Fertigstellung der Bond Street um satte vierzig Jahre verzögerten.

Die New Bond Street ist der längere Teil der Bond Street. Eine dazwischengeschaltete Fußgängerzone trennt oder verbindet die beiden Enden der Bond Street – je nachdem, wie der Vorbeiflanierende es betrachtet. Dass hier auch Prominente wie die mit einem Kopftuch getarnte Queen einkaufen gehen, ist ein Fakt. Ob die Queen und ihre Verwandten Sonderöffnungszeiten oder häusliche Vorführungen beanspruchen, wird aus Gründen der Zurückhaltung nicht verraten. Nur James Bond wird niemals seinen Aston Martin hier einparken. Dafür sind Bentleys, Jaguar-Limousinen oder Rolls Royces an der Tagesordnung.

New Bond Street: very British indeed

Dass ein britischer Platzhirsch wie Burberry mehr Platz beansprucht als namhafte Flagship-Stores aus Mailand oder Paris, hat seine Ordnung. Die New Bond Street ist kein Ort für britisches Understatement. Wie die Bond Street es trotz aller glamouröser Fassaden schafft, einen gediegenen und fast dörflichen Charakter zu behalten, bleibt ihr Geheimnis. Schon Jane Austen setzte der Bond Street in ihrem Roman „Sinn und Sinnlichkeit“ ein literarisches Denkmal. Die Bond Street hat seither noch an Strahlkraft zugelegt. Sie ist ein britischer Mythos und ein luxuriöses Mysterium.

Seit 2001 gilt die New Bond Street als Europas exklusivste Einzelhandelslage. Die astronomischen Mieten zwingen manchen Flagstore, sich in bezahlbareren Gegenden wie die Sloane Street in Chelsea zurückzuziehen. Ob der Exodus der Nobelmarken jemals die Royal Warrants wie G.J. Cleverley oder Smythson betrifft, wird man sehen. Der Charakter der Bond Street ist so unschlagbar britisch, dass es kaum vorstellbar ist, ausgerechnet die britischen Hoflieferanten von hier zu vertreiben.